Am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen: Die katastrophale Lage der Frauen im Iran
Während die Welt den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen begeht, richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Iran, wo systematische, staatlich geförderte Gewalt gegen Frauen eine tief verwurzelte Krise offenbart. Die Hinrichtung von Fariba Maleki Shiravand, einer 36-jährigen Frau, die am Sonntag, dem 24. November 2024, im Parsilon-Gefängnis in Khorramabad gehängt wurde, ist ein tragisches Beispiel dieser Realität. Vor vier Jahren verhaftet, blieb ihre Geschichte, wie so viele andere, von den iranischen Staatsmedien unberichtet. Allein im Jahr 2024 wurden 20 Frauen im Iran hingerichtet – ihr Leben und ihre Träume erloschen ohne jede Beachtung.
Systematische und institutionalisierte Gewalt
Gewalt gegen Frauen im Iran ist sowohl institutionalisiert als auch tief im rechtlichen Rahmen des Landes verankert. Die Verfassung und andere untergeordnete Gesetze degradieren Frauen zu Bürgerinnen zweiter Klasse und geben Männern erhebliche Macht über ihr Leben. Frauen sind systematisch von zahlreichen Berufen und öffentlichen Ämtern ausgeschlossen, während das Rechtssystem sie als Eigentum männlicher Verwandter – seien es Väter, Ehemänner oder in deren Abwesenheit sogar Brüder – einstuft.
Die Durchsetzung von „Moralvorschriften“ durch das Regime verschärft diese Gewalt noch weiter. Vom Staat ermächtigte selbsternannte Moralwächter dringen in das persönliche und soziale Leben von Frauen ein. Sie überwachen Kleidervorschriften, erteilen Verwarnungen und übergeben Frauen in extremen Fällen wegen geringfügiger Verstöße wie eines „unangemessenen Hijabs“ an die Sicherheitskräfte. Diese unbegrenzte Macht ist weltweit beispiellos.
Historische Wurzeln der Unterdrückung
Seit ihrer Gründung hat die iranische Regierung strenge Kontrollen über Frauen eingeführt und versucht, jeden Aspekt ihres Lebens zu dominieren. Der kurz nach der Revolution von 1979 eingeführte obligatorische Hijab wurde zum Symbol staatlicher Kontrolle über die Autonomie von Frauen. Diese Politik ebnete den Weg für brutale Praktiken wie Säureangriffe, körperliche Übergriffe und die Tötung von Frauen, die der „Unanständigkeit“ beschuldigt wurden.
Die Unterdrückung der Frauen durch das Regime geht jedoch weit über die Durchsetzung von Kleidervorschriften hinaus. Frauen im Iran sind einem breiten Spektrum von Gewalt ausgesetzt – psychologischer, wirtschaftlicher, sexueller und körperlicher –, die alle durch religiöse und kulturelle Dogmen legitimiert werden. Diese Formen der Gewalt überschreiten soziale, wirtschaftliche und Bildungsgrenzen und lassen keine Frauengruppe unberührt.
Eine der dunkelsten Kapitel dieser systematischen Unterdrückung sind die Massenhinrichtungen von Frauen in den 1980er Jahren. Tausende Frauen, viele von ihnen Mitglieder oder Unterstützerinnen der Volksmojahedin Iran (PMOI/MEK), wurden aufgrund ihrer politischen Überzeugungen inhaftiert, gefoltert und letztendlich hingerichtet. Der Sommer 1988 war besonders grausam, als Tausende politische Gefangene – viele von ihnen Frauen – systematisch ermordet wurden. Weibliche MEK-Anhängerinnen waren dabei ein bevorzugtes Ziel, und nur wenige überlebten diesen Genozid.
Diese Frauen ertrugen unvorstellbares Leid vor ihrer Hinrichtung. Viele wurden brutaler körperlicher und psychologischer Folter unterzogen, um sie zu brechen und zur Aufgabe ihrer Überzeugungen zu zwingen. Trotz allem hielten unzählige Frauen stand und entschieden sich für den Tod statt für Unterwerfung. Ihr Mut bleibt ein Zeugnis ihres unerschütterlichen Engagements für Freiheit und Gerechtigkeit.
Gewalt als Werkzeug der Kontrolle
Das iranische Regime sieht Gewalt gegen Frauen als Werkzeug zur Machterhaltung. Durch Angst und Unterdrückung versucht der Staat, Dissens zu ersticken und die Stimmen derjenigen zu unterdrücken, die sich für Veränderungen einsetzen. Strafen wie Auspeitschung, Steinigung und sogar Blendung sind im Gesetz verankert.
Iran ist das einzige Land, in dem Tausende Frauen wegen Opposition gegen das Regime hingerichtet oder unter Folter getötet wurden. Offizielle Statistiken zeigen, dass 66 % der iranischen Frauen irgendwann in ihrem Leben Gewalt erfahren – eine Zahl, die doppelt so hoch ist wie der globale Durchschnitt. Diese Zahlen, von den eigenen Nachrichtenagenturen des Regimes gemeldet, unterschätzen die düstere Realität, mit der iranische Frauen konfrontiert sind.
Häusliche Gewalt und Kinderehen
Offizielle Statistiken zeigen, dass innerhalb eines Jahres über 77.500 Fälle häuslicher Gewalt dokumentiert wurden, wobei 96,7 % der Opfer Frauen waren. Das Regime verzögert nicht nur die Verabschiedung von Gesetzen zur Verhinderung von Gewalt gegen Frauen, sondern behindert solche Bemühungen aktiv. Ein Gesetzesentwurf zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen steckt beispielsweise seit über acht Jahren in der Justiz fest, wobei wesentliche Teile des Vorschlags entfernt oder umgeschrieben wurden.
Eine weitere verbreitete Form der Gewalt ist die erzwungene Kinderehe. Allein im Jahr 2023 wurden über 100.000 Fälle von Kinderehen gemeldet, bei denen Mädchen im Alter von nur 10 Jahren in Ehen gezwungen wurden. Diese Praktiken rauben jungen Mädchen ihre Zukunft und perpetuieren Zyklen des Missbrauchs.
Die Rolle der Frauen im Widerstand
Seit Beginn des landesweiten Aufstands am 16. September 2022 hat das iranische Regime zahlreiche mutige Frauen und Mädchen brutal ermordet, nur weil sie für Freiheit und grundlegende Rechte eingetreten sind. Frauen wie Nika Shakarami, Hadis Najafi, und Sarina Esmailzadeh, um nur einige zu nennen, waren Opfer einer grausamen und ungerechten Gewalt.
Globale Solidarität ist dringend erforderlich
Am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen ist die Lage der iranischen Frauen ein dringender Aufruf zum Handeln. Ihr täglicher Kampf gegen systematische Gewalt ist ein Zeugnis ihrer Widerstandskraft und ihres Mutes. Die internationale Gemeinschaft muss ihre Stimmen verstärken, das iranische Regime zur Rechenschaft ziehen und Maßnahmen ergreifen, um die staatlich geförderte Gewalt gegen Frauen zu beenden.
Jede Frau, die hingerichtet, misshandelt oder zum Schweigen gebracht wird, erinnert uns an das globale Engagement, das erforderlich ist, um eine Welt frei von Gewalt gegen Frauen zu schaffen. Die Geschichten der iranischen Frauen – geprägt von Mut, Leid und Hoffnung – dürfen nicht ungehört bleiben

